Freitag, November 25, 2005

1. Essay

4. Durkheim

Welche Spezifika seines Werkes machen Durkheim zu einem wichtigen Einflussgeber der anthropologischen bzw. sozialwissenschaftlichen Theorienbildung des 20. Jahrhunderts?
Worin bestehen die Neuerungen im Denken Durkheims, die spätere Forschungsrichtungen inspirierten?



Der Napoleon der Sozialwissenschaften, der sich auch als Sozialwissenschaftler verstand, revolutionierte Europa mit seinem Gedankengut. Er war stets daran interessiert, die einfachsten Wahrheiten und Gemeinsamkeiten die alle Menschen auf unserem Planeten betreffen, zu entdecken. Dabei fungierte er meist als „armchair anthropologist“, also als einer der Anthropologie von zu Hause aus betreibt und sein Wissen auf Notizen und Literatur stützt.
Jüdisch erzogen und in Elsas geboren, setzte er sich früh mit dem Thema Religion auseinander. Mit dem Schreiten des Erwachsenwerdens und mit bereits wachsendem Wissen durch das Studieren formulierte er Fragestellungen zum Thema: „Ursprung der Religion?“
Die religiöse Evolution war seiner Meinung nach nicht lückenlos durchschaubar, daher tastete er sich an primitive Formen von Religion heran. – „no human institution can rest on an error or a lie.“[1]

Bemerkenswert für einen Anthropologen seiner Zeit ist, dass er es für wichtig empfand, sich auch über seine eigene Gesellschaft Gedanken zu machen und nicht den bestehenden Trend der evolutionistischen Strömungen, die zum Exotisieren neigten, nachzugeben. Über die Religion war es ihm möglich, sich über den von Jean-Jaque Rousseou eingeführten Begriff „contract socialé“ ein Bild zu machen und dieses anschließend zu zerpflücken. Religion oder Arbeitsteilung verursachen seiner Meinung nach den Zusammenhalt einer Gesellschaft. Der Nachteil der Arbeitsteilung besteht darin, dass sie abhängig macht, Durkheim spricht von organischer Solidarität, in der keiner ohne den anderen sein kann. Diese Abhängigkeit der Industriegesellschaften, die weiters auch noch eine extreme Fortschrittshaltung vertraten, hatte zur Folge, dass allmählich die Religion aus den Köpfen der Leute zu schwinden begann. In diesem Punkt brachte Durkheim seine schmerzende Gesellschaftskritik an, auch im Bereich der Kolonialisierung. Warum soll man nicht industrialisierten Gesellschaften ihren Zusammenhalt durch Religion, durch den von Arbeitsteilung ersetzten?

Ich denke Durkheim warf mehr als nur eine Frage auf, die die anthropologische bzw. sozialwissenschaftliche Theorienbildung des 20. Jahrhunderts beeinflusste. Sogar heute, so finde ich, lässt sich ein aktueller Realitätsbezug herstellen, wenn man die modern gewordenen Begriffe „Amerikanisierung“ und „Globalisierung“ betrachtet. Wollen wir noch mehr technischen Fortschritt und noch mehr Vernetzung? Oder suchen wir eher schon wieder etwas einfacheres, da uns unsere Umwelt zu komplex wird?
Durkheim hatte die Bedeutung von Ritualen erkannt, ging dabei aber nicht besonders ins Detail, im Gegensatz dazu Van Gennep, der es sich zum Stil machte genauer ins Detail zu gehen. Van Gennep führte Durkheims Gedanken weiter und verknüpfte sie mit seinen eigenen. Obwohl Durkheim Van Gennep mied, hätte er ihm eigentlich dankbar sein müssen, da dieser maßgeblich an der Veranschaulichung von Riten beteiligt war.

Vielleicht war Durkheim eher ein dominanter Typ, talentiert auf jeden Fall. Radcliff-Brown wird in dem Buch ’Small Places, Large Issues’ als „admirer of Emile Durkheim’s sociology“[2] bezeichnet. Durkheim diente auch zur Erschließung von Begriffen im Strukturalismus und Funktionalismus.

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[1] …http://www.relst.uiuc.edu/durkheim/
[2] …Eriksen, Thomas Hylland: `Small Places, Large Issues’ p. 74


Quellen:

Ø Internet: The Durkheim Pages: http://www.relst.uiuc.edu/durkheim/
Ø `Small Places, Large Issues’, Eriksen
Ø Vorlesungsmitschriften
Ø Tutoriumsmitschriften

Samstag, November 19, 2005

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